Entdecken Sie die Welt der Seetangfischer

… im Land der kleinen Fjorde

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Folgen Sie im Land der Aber zwischen Land und Meer den Spuren der Seetangfischer. Lernen Sie die noch immer aktuelle Geschichte einer ungeahnten Ressource kennen, des Tangs, des schwarzen Goldes der Bretagne.

La découverte des algues à l'écomusée de Plouguerneau

Die Begegnung beginnt mit Gwenole vom Ökomuseum in Plouguerneau. Eine erste Frage drängt sich mir auf: Man sammelte Seetang, aber wozu eigentlich? Anhand von Bildern und unterschiedlichen Gegenständen klärt uns Gwenole über die wichtigen Kapitel einer spannenden und lebendigen Geschichte auf: „Getrocknet und verbrannt diente der Tang als Dünger. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckte man zudem die antiseptische Wirkung der jodhaltigen Algen. Napoleon lies einst Fabriken in der Bretagne bauen, in denen das Jod aus den Blättern gewonnen werden konnte. Allerdings ergeben 25 Tonnen gesammelter Blatttang gerade einmal 15 Kilo Jod.“ Ich stelle mir vor, wie viele Arme nötig waren, um diesen Vorrat aus dem Meer zu schöpfen. „Nach und nach breiteten sich die Seetangfischer auch auf die Nachbarinseln aus. Sie brachen zu einer sechsmonatigen Erntefahrt auf. Anfang März gingen sie mit dem zerlegten Handkarren und dem Pferd an Bord!“ Und wo wohnten sie an Land? In einem umgedrehten Bootsrumpf! Heutzutage nicht mehr vorstellbar!

Essbare Algen

Des algues comestibles

Und das Abenteuer geht weiter. Ich erfahre staunend, dass etwa 50 Seetangfischer noch heute in den Blatttangfeldern ernten! Zum Glück sind die modernen Zeiten auch hier angekommen. Ihr Boot ist inzwischen mit einem Hydraulikseil ausgestattet. Und was fängt man heute mit dem Seetang an? Er befindet sich in meinem Pudding und meiner Zahnpasta, denn  die in der Lebensmittelindustrie, der Medizin und der Kosmetik verwendeten Alginate werden aus Blatttang gewonnen.  Das amüsiert mich: Der früher an Kühe verfütterte Tang ist heute hochmodern. Und auch die Gastronomie reißt sich darum. Etwa 10 der insgesamt fast 700 Sorten sind essbar. Es fällt der Name der Meerflechte oder auf Bretonisch „Pioka“: „Meine Großmutter verwendete das als Geliermittel beim Marmeladekochen“, verrät Gwenole. Ein Workshop im Ökomuseum lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen: Algenküche. Ich spüre bereits Seesterne unter meiner Zunge!

Pierre? Mein Lieblings-Seetangfischer!

Pierre, ancien goémonier

Unweit des Ökomuseums – im Hafen von Le Korejou – erwartet uns Pierre Merdy. „Seetangfischer? Das war ich noch bevor ich laufen konnte. Meine Mutter brachte mich in einem Kanu zur Welt.“ Wie könnte ich die Gischt anders als mit seinen Augen sehen, als er mir vom „Glück, diesen Beruf auszuüben“ erzählt? Mit seinen meerblauen Augen erzählt er mir in urbretonischen Worten von den Springfluten seiner Kindheit. Bei seinen Worten sehe ich die Familien, die den Seetang mit der „Guillotine“ ernteten und in den Dünen trockneten vor mir. „Es war eine unglaublich harte Arbeit. Und trotzdem war es mein Traumberuf. Und ich hatte Glück!“ Ende der 1950er Jahre lohnt sich Seetangfischen in der Bretagne nicht mehr. Pierre wird Seemann. Aber nur für kurze Zeit, denn „im Alter von 40 Jahren habe ich mein Boot gekauft, um mit einem Hydraulikseil zu arbeiten.“

Ernte von Mai bis September

Le débarquement du goémon au port

Jetzt muss man sich beim Aufsammeln der Algen nicht mehr krumm machen. Die Arbeit hat sich sehr verändert, und die örtliche Produktion ist noch immer sehr aktiv. Um das zu sehen, genügt ein Besuch des Hafens von Lanildut während der Woche. Von Mai bis Mitte September bringen viele Seetangfischer bei Flut ihre Tagesernte an Land. Da gehen beeindruckende Mengen an die bretonischen Fabriken ab. Ich frage mich: Sollte der Seetang das schwarze Gold der Bretonen sein? „80% der nationalen Produktion kommen aus der Bretagne, die Hälfte davon aus der Region Nord-Finistère!“

Mit Joël in Meneham, dem Dorf der Seetangsammler

Avec Joël à Meneham

Bei ihrem Abschied rät uns Gwenole zu einem Besuch von Meneham, dem Dorf der Seetangfischer. Meneham? Ein grandioser Naturschauplatz, Land der Legenden, in dem ich Joël begegne, einem Touristenführer aus Leidenschaft! „Früher war das ein Dorf, 1833 erbaut, in dem ein Vauban-Wachposten die Küsten vor Eroberern schützte.“ Neugierig geworden spazieren wir zwischen den erstaunlichen Steinhäusern mit Stroh- oder Schieferdächern herum. Unerwartet entdecke ich dieses berühmte Wachhaus mit seinem Steindach, ganz im Fels verborgen. Ein Chamäleon! „Das Zöllnerkorps war in Kerlouan stationiert, einem Dorf gleich nebenan“, erklärt mein Guide. Und das große Gebäude vor uns? „Das war die Kaserne, die zur Unterbringung von sechs Familien erbaut worden war. Als die Wachposten an die Ostfront versetzt wurden, ließen sich die Seetangfischer hier nieder.“ Mittlerweile wurden die Häuser in Werkstätten und charmante Pensionen, sogar mit richtigen Schrankbetten, umgebaut. Eine sympathische Herberge bietet ein Menü der „Schnitter des Meeres“ an. Wir setzen unseren Spaziergang fort und genießen dabei den herrlichen Blick über eine faszinierende Landschaft.

Ich lasse diesen Tag voller Begegnungen Revue passieren. Beeindruckt haben mich der Wille der Menschen, hier zu leben, und ihr Einfallsreichtum bei der Ernte und Verarbeitung des Seetangs, des schwarzen Goldes der Bretagne.

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