Lernen Sie die Seenotretter der Bretagne kennen
...und gehen Sie im Hafen von Saint-Quay-Portrieux an Bord des Rettungsschnellbootes!
Im Hafen von Armor haben Sie in Saint-Quay-Portrieux Gelegenheit, eine Mannschaft der französischen Seenotrettung zu treffen. Sie dürfen an Bord des Schnellbootes gehen und die Männer kennenlernen, die den Seeleuten bei jedem Wetter zu Hilfe eilen.
In einer neon-orangefarbenen Kombination und mit herzlichem Händedruck begrüßt uns William, der Leiter des SNSM-Postens (Société national de sauvetage en mer – nationale Seenotrettung). An seiner Seite Charles, der Besitzer des Bootes, Yannick, Mechaniker und der Ruderer Raynald. Raynald ist das jüngste Crew-Mitglied, „unser Baby“. Dieser Hüne war einst bei der königlichen Marine. Die SNSM als Berufung? „Ich war Soldat bei der Marine, aber ich glaube, das ist vor allem ein Jungentraum.“ Man muss aber nicht unbedingt Seemann sein, um dem Team beitreten zu können. „Die anderen müssen der Aufnahme nur zustimmen. Und man darf nicht seekrank werden…“. In Saint-Quay sind sie 28, verteilt auf fünf Besatzungen; sie sind in Wochenschichten im Dienst – Tag und Nacht. Sie arbeiten alle ehrenamtlich und wohnen in der Nähe, denn ein Alarm kann jederzeit ausgelöst werden. Seenotretter zu sein, verlangt vollen Einsatz, auch mit Auswirkungen auf das Familienleben.
Unter dem Schutz der heiligen Anne
Wir betreten das Heiligtum des Wachpostens, die Garderobe. „Hier bereiten sich die Jungs auf das Auslaufen vor, holen sich ihre Ausrüstung.“ Eine Schaufensterpuppe dient als Ständer für ihre Kombination mit den wasserdichten Taschen. Uns wird die seltene Ehre zuteil, mit dem Besitzer Charles an Bord des Schnellbootes gehen zu dürfen, das ein Vorzeigestück der SNSM-Flotte ist. „Es kann selbst bei 4 Meter hohen Wellen 25 Knoten schnell fahren.“ Wir staunen nicht schlecht. Das Schnellboot ist unsinkbar und richtet sich im Falle des Kenterns selbst wieder auf. Und doch zeigt uns Charles den wasserdichten Ausstieg, der der Besatzung „im Fall der Fälle“ ein Verlassen des Bootes ermöglicht. Wir kommen auf die Brücke, um uns auf dem Kapitänssitz niederzulassen. Peilgerät, Radarschirm, Echolot, digitaler Kartenleser, GPS, integriertes Video... Man könnte meinen, man hätte das Armaturenbrett eines Flugzeugs vor sich. Und wer überwacht das alles? „Das macht der an seinem Sitz festgeklebte Funknavigator.“ Aber er ist nicht auf sich allein gestellt: Wir entdecken eine Statue der Heiligen Anne. „Ein erfahrener Seemann würde niemals ohne sie auf See hinaus fahren…“ verkündet Charles. Im Bug entdecken wir eine Feuerspritze, Rettungsgeräte… Alles gut sortiert, einsatzbereit. „Wir müssen immer bereit sein, die Anker zu lichten!“ Auch während unserer Anwesenheit. Ein Alarm kann jederzeit ausgelöst werden!
Im Herzen des Juwels des Meeres
Wir dürfen den Maschinenraum besichtigen. Dort finden sich zwei 500-PS-Motoren. Heute ist hier alles ruhig, aber bei vollem Betrieb können die Temperatur auf 70 Grad und der Geräuschpegel auf 90 Dezibel steigen! Dann muss einem das mit Hochgeschwindigkeit durch die Wellen pflügende Boot wie die Hölle erscheinen! Von der Schnelligkeit der Rettung hängt das Überleben der Seebrüchigen ab. Jede verlorene Minute kann tödlich sein. Sobald einmal Alarm ausgelöst wurde, bleibt der Mannschaft eine Viertelstunde bis zum Auslaufen. Charles erzählt: „Mitten in der Nacht fuhren zwei unerfahrene Turteltäubchen mit dem Boot von Papa hinaus. Ein Windstoß, zu viel Schlagseite, sie gerieten in Panik und wollten zurückschwimmen!“ Ein Fehler, den sie womöglich hätten teuer bezahlen müssen. Zum Glück brauchten die Seenotretter an diesem Tag „nur 17 Minuten, um sie aufzufischen“. Eine Meisterleistung! Oder – wie Charles sagt – „eine Befriedigung“. Nämlich die einer gut gemachten Arbeit. Einer diskret und anonym erledigten Arbeit. Für uns haben Charles und seine Kollegen den Schleier ein klein wenig gelüftet.
Text: Christine Barbedet





