Ein Spaziergang über die Kämme der Monts d'Arrée ist ein unvergleichliches Erlebnis. Wenn Sie hier noch nie waren, vergessen Sie alles, was Sie über die Bretagne wissen und machen Sie die Augen weit auf. Spitzkantige Felsen stechen in den Himmel über “Tuchen Gador” und stehen im Kontrast zu den runden Hügeln des Mont Saint-Michel de Brasparts, auf denen einsam und stolz eine reizende Kapelle steht. Von diesem höchsten Punkt der bretonischen Berge aus schweift der Blick über scheinbar grenzenloses Land, das eindeutig verwandt ist mit verschiedenen Gegenden in Irland oder Wales. Torfmoore, Gebüsche und Heideland formen ein Muster aus braun, grün und rostroten Erdtönen. Die lila Heide und der honiggelbe Stechginster heitern mit ihren knalligen Farben diesen goldbraunen Teppich auf.
Wer immer schon von weitem Land geträumt hat, der findet in den Monts d'Arrée was er sucht: wilde, offene Flächen und atemberaubende Panoramen, ideal für Wanderungen, zu Pferd oder zu Fuss. Naturliebhaber erkennen in dieser Gegend ein Paradies für zahlreiche Tierarten, wie zum Beispiel den europäische Otter und den Biber. Auf Seiten der Pflanzenwelt findet man den seltenen Sonnentau, der sich hier sehr wohl fühlt. Die hübsche fleischfressene Pflanze lässt unvorsichtigen Insekten keine Chance. In hellem Tageslicht strahlt die Landschaft heiter, aber ihre Konturen wechseln mit dem Lauf der Sonne. Wenn sich der Nebel über die Berge legt, wird die Atmosphäre plötzlich geheimnisvoll und man spürt, warum seit ewigen Zeiten dieses Land so reich ist an Legenden. Wenn vorbeiziehenden Wolken das Tageslicht verdunkeln, verwandeln sich manchmal die seltsamen Reliefs in bedrohlichen Formen.
Königreich des “Ankou”(Sensenmann), und Heimat der “Korrigans” haben diese Berge, die doch die 384 Meter Höhe nicht übersteigen, eine ausserordentliche Eigenschaft: sie öffnen sperrangelweit die Tore der Fantasie. Tiefer gelegen, in den von einem künstlichen See teilweise überschwemmten Sümpfen von Yeun Ellez, verbergen sich anderen Türen, die man lieber nicht aufstossen sollte: es sind die Türen zur Hölle. Das erzählte man sich jedenfalls damals, abends am Feuer in langen Winternächten. In Abwesenheit rationeller Erklärungen scheinen die Irrlichter, -diese über den Torfmooren tanzenden, beängstigenden Flammen-, Zeugen der Gegenwart böser Geister zu sein.

JY Guillaume -