Japanisches Jahr in der Bretagne
Ende des 19. Jahrhunderts öffnet sich Japan für die Welt. Die europäischen Künstler sind sogleich fasziniert von der Kultur und Ästhetik des Landes, und diese Welle der Japanbegeisterung überschwemmt auch die Bretagne! Bretagne-Japan 2012, das sind 12 Ausstellungen in der gesamten Region, die den Japanismus in der Bretagne zeigen: Waffen, Grafiken, Fotografien, Porzellan, Kimonos… über 800 seltene Werke sind ausgestellt.
„Henri Rivière, die Umwege eines Japanologen an der Côtes d’Armor“
Musée d’Art et d’Histoire (Kunst- und Geschichtsmuseum) der Stadt Saint-Brieuc, 9. Februar bis 13. Mai 2012
Henri Rivière, Le Port de Loguivy à marée basse, 1905. Collection et cliché Musée départemental breton, Quimper © ADAGP, Paris 2012
Der Graveur Henri Rivière (1864-1951) besaß zwei Leidenschaften: den japanischen Holzschnitt und die bretonischen Landschaften. Ab 1885 verbringt er jeden Sommer in Saint-Briac-sur-Mer, ehe er sich ein Haus in Loguivy kauft. Er entdeckt den japanischen Holzschnitt und setzt sich auf diesem Gebiet rasch durch; so wird er zu einer der tragenden Säulen des europäischen Japanismus. Die Ausstellung zeigt 80 seiner Werke, bei denen seine verschiedenen Ausdrucksmittel deutlich werden: Holzskulpturen, Aquarelle, Holzschnitte, Kupferstiche…
Weitere Informationen: Kunst- und Geschichstsmuseum von Saint-Brieuc
„Gyotaku, die Kunst des Abdrucks“
Musée de la Pêche (Fischereimuseum) Concarneau, von Anfang Januar bis zum 30. September 2012
Boshu Nagase, Rascasse de fond, Musée océanographique de Monaco, Fondation Albert 1er
Die bereits im Sommer 2011 eröffnete Ausstellung zeigt die in Frankreich wenig bekannte Kunst Gyotaku, oder „Fischdruck“. Die Technik besteht darin, einen Fisch mit Tinte zu bestreichen und dann auf Papier zu kleben, um seinen Abdruck zu erhalten. Mit diesem Verfahren machten die japanischen Fischer ihre schönsten Fänge unsterblich.
Das Fischereimuseum von Concarneau präsentiert von großen japanischen Meistern und westlichen Künstlern gefertigte Gyotaku-Werke.
Weitere Informationen: http://www.musee-peche.fr/
„Der Baum und der Wald, vom Land der aufgehenden Sonne bis zum Liebeswald“
Musée des Beaux-Arts (Museum der Schönen Künste) Quimper, vom 2. März bis zum 28. Mai 2012
Utagawa Kunisada (1786-1865) Scène de théâtre : Motomishihana otogi Heike jouéau théâtre Nakamura dans le 11ème mois de l’année 1828, Loches, Maison Lansyer
Ein weiterer Ausdruck der Japanbegeisterung in der Bretagne: Der Einfluss der Holzschnitte auf die Maler der Schule von Pont-Aven und die Künstlergruppe Les Nabis, die in dieser Kunst Grafikinnovationen und neue Möglichkeiten zur Raumdarstellung entdeckten. Da Baum und Wald zu den Hauptthemen in der Grafik gehörten, stellt das Musée des Beaux-Arts in Quimper mehrere Werke japanischer Meister und französischer Maler aus, die diese Themen behandeln. Einige davon bilden im Übrigen das Wäldchen Bois d’Amour in Pont-Aven ab.
Weitere Informationen: http://www.mbaq.fr/
„Die japanische Kunst in den Sammlungen des Museums von Brest“
Musée des Beaux Arts (Museum der Schönen Künste) Brest, vom 10. März bis zum 15. Juni 2012
Armure de samouraï, Japon, 19e siècle, Musée des beaux-arts Brest
Diese erste Ausstellung des Musée des Beaux Arts von Brest präsentiert japanische Gegenstände, die seit dem 19. Jahrhundert von Seefahrern und großen Reisenden in Frankreich zusammengetragen wurden. Als Zeugen des japanischen Alltags der Epoche sind die bisher nie gezeigten oder besonders seltenen im Museum von Brest ausgestellten Objekte ebenso vielfältig wie überraschend. Neben der Samurai-Rüstung wird unter all den Schreinen, Schalen, Körbchen, Tragsesseln und Lackarbeiten eine Elfenbeinstatue präsentiert – alles Zeugen der Seefahrergeschichte Brests und der Welt.
Weitere Informationen: Musée de Beaux Arts von Brest
„Eindrücke einer Reise nach Japan“
Musée Mathurin Méheut in Lamballe, 1. April bis 31. Dezember 2012
Mathurin Méheut, Porteur de Palanche, Musée Mathurin Méheut, ©E.Rousseau, Lamballe et D.Robert, Grenier photo, Brest, © ADAGP, Paris 2012
Der 1882 in Lamballe geborene Maler Mathurin Méheut unternahm 1914 eine Reise nach Japan. Zutiefst fasziniert von der Schönheit der in den Provinzen Osaka, Nara oder Kyoto vorgefundenen Landschaften und angetroffenen Personen fertigte er zahlreiche Skizzen, Aquarelle und Gemälde an, die er nach Frankreich zurückbrachte.
Vom Porteur de palanches (Jochträger) bis zur La cérémonie du thé (Teezeremonie) zeigt die Sammlung den Einfluss Japans auf den Stil Mathurin Méheuts. Außerdem präsentiert sie vom Künstler gesammelte Gegenstände wie Keramiken und Bücher.
Weitere Informationen: Museum Mathurin Méheut
„Francis Hennequins Reise nach Japan - ein Fotograf aus Douarnenez im Land der aufgehenden Sonne“
Hafenmuseum von Douarnenez, 9. Mai bis 30. Juni 2012
Francis Hennequin, Nara - Fontaine vue de face .Photo sur plaque de verre stéréoscopique, 1912, Collection particulière
Für Bretagne-Japan 2012 interessiert sich das Hafenmuseum (Port-Musée) für Francis Hennequin, den Douarnenez treu gebliebenen Fotografen, wie zahlreiche Fotos der Stadt belegen. 1912 unternahm er eine Weltreise, bei der er Japan für sich entdeckte. Fasziniert beobachtete Hennequin ein Land, in dem sich ein massiver kultureller und wirtschaftlicher Wandel vollzog. Er fertigte zweiundsechzig Schwarz-Weiß-Aufnahmen an, die diese beginnende Mischung zwischen Tradition und westlicher Moderne offenbaren.
Weitere Informationen: Le Port Musée in Douarnenez
„Japan in den Briefen von Mathurin Méheut“
Maison d’Artiste de la Grande Vigne de Dinan (Künstlerhaus), 15. Mai bis 30. September 2012
Mathurin Méheut, Printemps à Kyoto, encre et gouache sur papier, maison d’artiste de la Grande Vigne, Dinan © ADAGP, Paris 2012
Die Malerin Yvonne Jean-Haffen, die mit der Steingutfabrik Henriot in Quimper zusammenarbeitete, war eine enge Freundin Mathurin Méheuts. Zwischen dem aus Lamballe stammenden Künstler und ihr kam es zu einer regen Korrespondenz, die Mathurin Méheut mit Skizzen zu seinen Erinnerungen an Japan illustrierte: Szenen aus dem Alltagsleben, japanische Tempel, heilige Hirschkühe…
Etwa vierzig dieser Briefe werden ausnahmsweise im Maison d’artiste de La Grande Vigne in Dinan ausgestellt, dort lebte Yvonne Jean-Haffen bis zu ihrem Tod im Jahr 1993.
Weitere Informationen: Museum Yvonne Jean-Haffen
„Nostalgie der aufgehenden Sonne, Liebe zur japanischen Kunst“
Musée des Beaux Arts (Museum der Schönen Künste) Rennes, vom 6. Juni bis zum 26. August 2012
Hokuei, estampe 19e siècle ©JSalingue Musee Beaux Arts Rennes
Im Rahmen der seit 1967 bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Rennes und Sendaï schenkte die japanische Stadt dem Musée des Beaux Arts der bretonischen Hauptstadt elf wertvolle Kimonos. Diese in den 1950er Jahren hergestellten Kleidungsstücke wurden nach alten Vorlagen geschaffen, deren Motive bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Das Musée des Beaux Arts besitzt außerdem über 2000 japanische Holzschnitte. Für Bretagne-Japan 2012 werden 36 davon ausgestellt; sie behandeln das Thema Kabuki (traditionelles japanisches Theater).
Weitere Informationen: http://www.mbar.org/
„Odyssée des Imari“
Museum der Compagnie des Indes in Lorient, 9. Juni bis 2. September 2012
Manufacture Foley-Wileman à Longton, Grande-Bretagne, Trio à thé,1895, faïence bone china à base de poudre d’os calciné, Coll. G. Le Gars.
Imari ist eine Porzellanart, die durch ihre floralen Motive und ihre Farben – Blau, Rot und Gold – gekennzeichnet ist. Imari symbolisiert den im 17. Jahrhundert beginnenden Handel zwischen Europa und Asien sowie das Monopol, das die holländische Compagnie des Indes damals in Japan hielt. Diese von Modellen und japanischem Mobiliar umrahmte Ausstellung wird an zwei zentralen Orten der Stadt Lorient stattfinden: im Hotel Gabriel im Stadtzentrum und in der Zitadelle Port-Louis.
Weitere Informationen: http://musee.lorient.fr/
„Die Japanismus-Welle“
Musée des Beaux Arts Brest, 25. Juni bis 4. November 2012
Georges Lacombe, La Mer jaune, Camaret, 1892, musée des beaux-arts Brest
Die Werke von Georges Lacombe machen deutlich, unter welchem Einfluss die französischen Maler Ende des 19. Jahrhunderts standen, nämlich unter dem Japans und des Meeres. In der Nachfolge Paul Gauguins zogen die Maler der Schule von Pont-Aven und der Künstlergruppe Les Nabis ihre Inspiration aus dem Japanismus. Georges Lacombe, ebenfalls Mitglied der Nabis, hielt sich in der Bretagne auf, um die Küsten der Halbinsel Crozon zu malen.
Diese Sammlung vereint die schönsten Werke der Maler dieser Epoche, die die Bretagne aus einem japanisch beeinflussten Blickwinkel darstellten.
Weitere Informationen: Musée de Beaux Arts von Brest
„Monet, Geoffroy, Rodin und der Kreis der Japanologen“
Museum Morlaix, Juli bis Oktober 2012
Claude Monet, Pluie à Belle-Ile,1886, huile sur toile, Morlaix, musée des Jacobins.
1886 begegnet der Kunstkritiker Gustave Geoffroy Claude Monet auf Belle-Île-en-Mer. Da beide die japanische Kunst lieben, gründen sie einen Kreis, der den Japanismus in Frankreich bekannt machen soll. Geffroy veröffentlichte insbesondere zwei Artikel über die japanischen Landschaftsmaler in der Revue Le Japon artistique. Monet wiederum interpretierte in japanischen Holzschnitten behandelte Themen in seinen in Belle-Île gefertigten Leinwandgemälden. Die Ausstellung des Museums von Morlaix erinnert an die Mitglieder dieses Kreises, unter anderem an Auguste Rodin, einen Freund Geoffroys.
Weitere Informationen: Museum von Morlaix
„Farbiger Holzschnitt. Japan-Paris-Bretagne, 1880-1930“
Musée Départemental Breton in Quimper, 30. November 2012 bis 3. März 2013
Henri Rivière, Départ de sardiniers à Tréboul,1893, bois gravé imprimé en couleurs, Quimper, Musée départemental breton © ADAGP, Paris 2012
Die Entdeckung des japanischen Holzschnitts ließ Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich eine Welle der Begeisterung für farbige Holzschnitte entstehen. Französische Graveure wie Henri Rivière eigneten sich japanische Techniken an, um damit Sujets wie die bretonischen Häfen oder regionale Trachten zu bearbeiten. Diese Sammlung, die etwa hundert Werke vereint, präsentiert die Werke großer japanischer Holzschnittmeister und ihrer westlichen Bewunderer.
Weitere Informationen: http://www.museedepartementalbreton.fr/
Rund um die Ausstellungen
Im Zuge des Bretagne-Japan-Jahrs stellt sich die gesamte bretonische Halbinsel auf Japan ein. Die mitwirkenden bretonischen Museen werden ein vielseitiges Programm aus Workshops, Filmvorführungen, Märchen- und Marionettendarbietungen anbieten... Im Musée de Bretagne-Les Champs Libres und in der Universität Rennes2 werden Konferenzen und Ausstellungen stattfinden. Etwa zehn Bibliotheken der Region haben ebenfalls ein mit dem Bretagne-Japan-Projekt zusammenhängendes Programm ausgearbeitet.
Weitere Informationen: http://www.bretagne-japon2012.fr/



