Atelier des Capucins, Brest en vue

Frisch angekommen in Brest, nimmt man am besten die Seilbahn, die vom Stadtzentrum über die Flussmündung der Penfeld zum Kapuziner-Atelier führt. Vor den Fenstern der gläsernen Kabinen eröffnet sich das jüngste Stadtpanorama, denn sowohl die Schwebebahn als auch das Ateliers des Capucins feiern 2026 erst ihren zehnten Geburtstag. Die riesigen Fabrikhallen liegen auf einem Fels-Plateau über der Stadt und waren als Werkstätten der Marine fast zwei Jahrhunderte lang nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Heute sind sie das ganze Gegenteil: ein heller, kultureller Melting Place, täglich von morgens bis Mitternacht geöffnet, mit einer Kletterhalle und einer Skaterbahn, einem Kino und einer Mediathek sowie einer Mikrobrauerei, Restaurants und vielen temporären Ausstellungen und Events. Nicht zu übersehen ist die prunkvolle Ruderbarke: das originale kaiserliche Schiff von Napoleon I. von 1810. Sie markiert den Eingang zur interaktive Dauerausstellung 70.8, die sich dem Thema Ozean widmet. 70,8% unserer Erdoberfläche sind von unseren Weltmeeren bedeckt.
Auch zurück im Stadtzentrum ist der Ozean allgegenwärtig: In ihrem Atelier malt die Künstlerin Minuit tiefblaue Aquarelle mit Meerwasser, der Atlantik für zu Hause. Die Gastronomie ist ebenfalls vom Meer inspiriert – von bretonisch-japanischer Fusionküche im Hinoki bis zu geselligen Meeresfrüchteplatten im Crabe Marteau oder in den Viviers de Keraliou.
Eine echte Institution sind die Meereswelten Océanopolis, die Anfang des Jahres nach mehrmonatiger Renovierung wieder eröffnet haben. Besucherinnen und Besucher erleben hier in verschiedenen Themenpavillons vom polaren Klima bis in die Tropen eine multimediale Reise durch die Ozeane unserer Erde. Océanopolis ist eine der renommiertesten Meeresforschungsstationen Europas und vermittelt sensibel und spielerisch zugleich wertvolles Wissen über Artenvielfalt, Lebensräume und welchen Beitrag wir alle leisten können, um unsere Weltmeere besser zu schützen. Mehr als 10.000 Tiere kann man hier kennenlernen. Und im Océanolab können sich die Forscherinnen und Forscher von morgen schon heute ausprobieren.


Die Bucht von Brest zählt zu den größten Europas, ihr Handels- und Marinehafen ist seit jeher ein wichtiges Drehkreuz. Ihm wird alle vier Jahre im Juli, zunächst wieder 2027, mit den Fêtes Maritimes ein eigenes Festival gewidmet, bei dem mehr als 1.000 Schiffe aus aller Welt – vom Einbaumboot bis zum arktischen Eisbrecher – zu Gast sind. Das ganze Jahr über kann außerdem die Traditionswerft Chantier du Guip besichtigt werden, die sich bis heute das Know-how des Holzschiffbaus bewahrt hat. Danach möchte man nur noch eines: selbst in See stechen – und das am besten stilecht an Bord der Recouvrance, dem Nachbau eines historischen Zweimasters.
Und in der Umgebung? Ob entlang der Straße der Leuchttürme zwischen der Landspitze Saint-Mathieu und dem Leuchtturm Minou oder auf dem Küstenwanderweg GR®34, der auf 2.000 Kilometern rings um die bretonische Halbinsel führt, auch rund um Brest ist alles dem Ozean zugewandt. Vom Hafen starten die Fähren auf die Inseln Molène und Ouessant, dem letzten Halt vor Neufundland.
Brest liegt im Finistère, am Ende der Welt, wie die Römer einst konstatierten. Doch die Anreise ist seitdem deutlich bequemer geworden. Mit dem TGV sind es weniger als vier Stunden von der Pariser Innenstadt bis an den bretonischen Atlantik.