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Tartare d'algues

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NICOLAS DEQUIN

Die Algen der Bretagne

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Algen landen in tausend Varianten auf dem Essenstisch! Mit ihren einzigartigen Nährwerten, ihren eigentümlichen Konsistenzen, ihrem sehr abwechslungsreichen Geschmack zwischen Jod und Pflanze erfreut dieses Super-Food unseren Gaumen und eröffnet der bretonischen Gastronomie ein neues Feld an Möglichkeiten. Immer mehr lokale Chefköche machen sich dieses bislang verkannte Repertoire zu eigen, das zahlreiche köstliche Überraschungen bereithält. Auf europäischer Ebene weist die Bretagne das produktivste Algenvorkommen auf. Eine Wucht!

Welche positiven Kräfte haben Algen?

Man meint, Algen zu kennen, dabei stecken sie voller Geheimnisse. Algen haben keine Wurzeln, sondern Haftorgane, mit denen sie sich an die Felsen klammern. So gewinnen sie ihre positiven Kräfte direkt aus dem Meer und sind eine wahres Konzentrat an Spurenelementen, Jod, Vitaminen und Mineralsalzen. Seit dem 17. Jahrhundert kommen Algen in der Landwirtschaft zum Einsatz und sind heute ein wichtiger Bestandteil der bretonischen Küche. Von den fast 800 Algenarten, die es in der Bretagne gibt, sind etwa fünfzehn essbare Sorten zum Verkauf freigegeben.

Wo in der Bretagne liegen die Algenspots?

Anders als in Asien ist der Anbau von Algen in Frankreich noch wenig verbreitet. Die Ressource stammt also hauptsächlich aus der Ernte wilder Algen. Wie bereits erwähnt ist die bretonische Küste das größte Algenfeld Europas, mit ein paar Hotspots wie Roscoff. Die Stadt im Finistère gilt als wahre „Hauptstadt der Alge“ mit einem international bekannten Forschungszentrum und mehreren Unternehmen, die mit Algenwirtschaft zu tun haben. Eines der bedeutendsten ist nach wie vor BRETALG, das seit 1991 zahlreiche Industrielle mit Speisealgen versorgt. In der Bretagne konzentriert sich die Algenernte besonders auf den Meerespark Iroise sowie auf das Meer vor dem „Goldenen Gürtel“ des Pays de Léon und der Côte de Granit Rose. Im südlichen Finistère vor Lesconil betreibt Algolesko auf fast 150 Hektar Algenanbau zur Gewinnung von Blatttang. Am anderen Ende der Bretagne, an der Rance unweit von Saint-Malo, ist C-Weed Aquaculture auf die Zucht von Blatttang an Seilen spezialisiert.

Wie werden sie geerntet?

Algen werden bei Ebbe im Watt per Hand geerntet, bevorzugt dann, wenn sie noch im Meerwasser schwimmen. Nicht ausreißen, sondern schneiden, möglichst keine zu jungen Algen entnehmen: es müssen allerlei Maßnahmen getroffen werden, um den Fortbestand der Ressource zu sichern. Die Ernte von Blatttang wiederum erfolgt mit dem Boot. Die „Goémoniers“, wie die Seegrasarbeiter genannt werden, nutzen Schneckengewinde mit Haken, die auch als „scoubidous“ bezeichnet werden. Beim Algenanbau können spezifische Sorten gezüchtet werden. Nach dem Pflücken werden die Algen gewaschen und dabei von Sandrückständen und Muschelkalk befreit.

Souffleurs de Breizh - portrait de Lenny Gouédic de Begood Alg
Souffleurs de Breizh - portrait de Lenny Gouédic de Begood Alg

Schon gewusst?

Erfahren Sie bei der Besichtigung spezialisierter Stätten alles rund um die Alge:

  • Maison de l’Algue in Lanildut
  • Das Freilichtmuseum der Seetangarbeiter und der Alge in Plouguerneau heißt nun Algae und fungiert als Kultur- und Wissenschaftszentrum zur Entdeckung und Aufwertung der Alge.
  • Eclosarium Daniel Jouvance  auf der Île de Houat
  • Les Jardins de la Mer – Meeresbauernhof in Le Croisic. Valérie und Jean-Marie Pédron gehören zu den größten Algenkennern Frankreichs. Sie beliefern zahlreiche Sterneköche. Die passionierten Inhaber leisten pädagogische Arbeit in Form der Lehrgänge „Pflücken“, „Kochen“ und „Entdeckung der Algen auf dem Bauernhof“.

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Woran erkennt man Speisealgen?

Man unterscheidet Algen anhand ihrer Farbe. An dieser Stelle sei bemerkt, dass Meerfenchel und Queller keine Algen sind, sondern Meerespflanzen.

Braune Algen 

  • Riementang: wegen seiner langen, flachen Form wird er auch als „Meeres-Spaghetti“ bezeichnet; er kann bis zu 4 Meter lang werden. Man isst ihn wie Gemüse, in Wasser gekocht oder in der Pfanne gebraten.
  • Kombu Royal: es handelt sich um einen Blatttang mit fleischiger Konsistenz und rauchigem Geschmack. Man verwendet ihn zum Verkleiden von Fisch oder Fleisch.
  • Wakame: ihr aussehen hat dieser Alge den Beinamen „Meeresfarn“ eingebracht. Man schätzt sie aufgrund ihres Jodgeschmacks roh an Salat oder als Zutat an Suppen und warmen Zubereitungen.

Rote Algen 

  • Lappentang: feine, lichtdurchlässige Alge mit kräftigem Geschmack, die gut zu Muscheln und Krustentieren passt. Man findet sie auch als Flocken oder Chips.
  • Nori: diese Alge mit leicht rauchigem Geschmack ist eine Schlüsselzutat für Sushi, wird aber auch als Tatar, Pesto, Würzmittel oder Chips gegessen.

Grüne Algen 

  • Meersalat: Der Geschmack dieser Alge, der dem der Sauerampfer ähnelt, lädt ein, sie roh an Salaten, in Smoothies, als Chips oder als Flocken zu konsumieren.

Blaue Algen 

  • Spirulina: Kennen Sie die Spirulina? In der Küche, als Nahrungsergänzungsmittel oder an Kosmetika liegt sie als Mikroalge voll im Trend. Aus gutem Grund: sie verfügt über unglaubliche Eigenschaften zur Stärkung des Immunsystems und um Mangelerscheinungen zu kompensieren. So enthält sie zum Beispiel dreimal so viele Proteine wie Fleisch! In der Bretagne begeistern sich immer mehr spezialisierte Produzenten für die schöne smaragdblaue Alge: Spiru’Marine in Sarzeau, Dana Spirulina neben Redon, Spiruline de Bretagne in Douarnenez.

Wann kann man sie probieren?

Das Pflücken erfolgt in erster Linie während der großen Springfluten, wenn das Watt freigelegt wird und die Algen an der Küste leichter zugänglich sind. Am Ende des Winters beginnt das Pflücken der Sorten Kombu Royal und Wakame. Im Frühling sind  NoriMeersalatLappentang und Meeres-Spaghetti an der Reihe. Im Sommer macht die Ernte Pause, um im Herbst mit NoriLappentang und Meersalat fortgesetzt zu werden.

 

Wie werden sie gegessen?

Wie Gemüse gekocht, als Tatar und Confit, das zum Aperitif  auf Toastbrot gestrichen wird, als Flocken über Gerichte gestreut oder in handwerklich produzierten Konserven zum Picknick halten Algen allerlei Überraschungen für den Gaumen bereit! In Pulverform können Algen auch als Salzersatz dienen. Als Geliermittel wie dem Agar-Agar sind sie auch ein Ersatz für Gelatine.

In welchen Varianten gibt es Algen zum Trinken?

Algen werden nicht nur in zahlreiche Rezepte und Zubereitungen wie Nudeln, Brot, Butter, Kekse oder Wurstwaren integriert, sie bereichern auch Getränke. Die Algen-Tees mit Tein von Tonnerre de Brest und die Algen-Kräutertees von Thalgo und Thalion bieten eine Vielfalt außergewöhnlicher Geschmacksvarianten. Auch Bierliebhaber kommen auf ihre Kosten, mit der Ouessane (Bier mit Wakame), derbernsteinfarbenen Algen-Guernouillette (Lappentang und Kombu) und dem bernsteinfarbenen Bio-Bier Tonnerre de Brest.

 

Shopping – Wo kann man sie kaufen?

In der Bretagne gibt es zahlreiche Unternehmen, die Algen produzieren und verarbeiten.

  • Algoplus Roscoff erntet und verarbeitet Algen und bietet Führungen an, bei denen man den Goémonier-Beruf entdecken und die Produktionsschritte in der handwerklichen Konservenfabrik miterleben kann.
  • Bord à bord, eines der ersten Unternehmen, das Speisealgen in der Bretagne bekannt gemacht hat, ist auf Konserven mit Gewürzalgen in Roscoff spezialisiert.
  • GlobeXplore: produziert seit mehr als 30 Jahren in Rosporden Rezepte auf Basis von Speisealgen, insbesondere die Perles de Saveurs®, kleine Gelatinekügelchen auf Algenbasis mit flüssigem Kern, die in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten werden.
  • Marinoë, Produzent und Verarbeiter biologischer Algen und Spirulina in Lesconil
  • Begood Alg: mit seiner Frau Lucie erntet Lenny Gouédic seine Algen in den klaren Wassern des Finistère, insbesondere im Herzen des Bigouden-Landes. Dieser schöne, von Natur aus biologische Rohstoff, wird dann sorgsam zu köstlichem Tatar und Kochalgen weiterverarbeitet. Ein Abenteuer, das von einer bewusst handwerklichen, engagierten und nachhaltigen Arbeitsweise getragen wird.
  • Les Jardins de la Mer in Le Croisic. Das Unternehmen erntet und verarbeitet Algen, beliefert Chefköche und verkauft auf dem Markt.
  • Weitere Unternehmen: Alg’Emeraude in Saint-Lunaire, Biocean in Roscoff, Ocealg in Edern, Algo’manne in Portsall, Alguerie in Le Guilvinec und Algues Armorique im Departement Côtes d’Armor …

Gibt es Algen auch an Kosmetika?

Die zahlreichen in Algen enthaltenen Wirkstoffe haben die bretonische Kosmetikindustrie inspiriert. Altershemmende, entgiftende und revitalisierende Eigenschaften sind schlagkräftige Argumente, die die zahlreichen Meerespflege-Marken „Made in Breizh“ zum Erfolg geführt haben, so etwa Thalado, Phytomer, Cosmétiques Thermes Marins de Saint Malo, Thalgo, Thalion, Labiomer, Seamer oder Algologie.

Wie verarbeiten kreative Schaffende in der Bretagne Algen zu nachhaltigen, innovativen Produkten?

Die Superkräfte der Algen verhelfen den kreativen Schaffenden in der Bretagne tagtäglich zu neuen Ideen. Die wiederverwertbaren Trinkbecher von BeAlgue, die umweltfreundlichen Gemälde von Algo oder die Strandspielsachen von Coq en Pâte werden aus bretonischen Algen gefertigt.

Wo in der Bretagne kann man Algen verkosten?

  • Im Hôtel de la Mer in Brignogan ist man ganz verrückt nach Algen! Sie treten während Ihres Aufenthalts in sämtlichen Varianten auf, vom Spaziergang im Watt à la carte bis zu den Algenpflegen im Spa.
  • Im Restaurant Le Fouquet’s der Wellnesseinrichtung Royal Thalasso & Spa – La Baule können Sie die „Algo Cuisine“ von Chefkoch Mikaël Amisse verkosten.
  • Hugo Roellinger im Restaurant Coquillage bei Cancale begeistert sich für Algen, die ihren Weg in viele seiner Kreationen finden.
  • Inspiriert von der japanischen Küche kocht Chefkoch Julien Lemarié in seinem Restaurant Ima in Rennes frische Algen.
  • In der berühmten Algenbutter von Jean-Yves Bordier!

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