Casier à épices Roellinger
©

Casier à épices Roellinger

|

Emmanuel Berthier

Die Bretagne auf der Gewürzstrasse

Von den Abenteuergeschichten der „Gewürzjäger“, deren Schiffe von Port-Louis, Lorient und Saint-Malo losfuhren, bis zu den feinen Aromen der von renommierten Chefköchen kreierten Pulver: das mit der Bretagne und den Gewürzen ist eine lange Geschichte, die immer weitergeht …

Was hat die Gewürzstraße in der Bretagne für eine Geschichte?

Die Geschichte des friedlichen kleinen Seebads Port-Louis in der südlichen Bretagne ist eng verbunden mit der des Gewürzhandels. Von den Festungsmauern der Zitadelle aus lenkt das Panorama den Blick auf die Weiten des Meeres, bis zu den Konturen der Île de Groix. 1664 wählt Finanzminister Colbert die Reede des Küstenflusses Blavet für die Niederlassung der Compagnie des IndesOrientales, die er kurz zuvor gegründet hat, um den Handel mit Asien weiterzuentwickeln. Auf der anderen Seite der Reede werden Schiffswerften gebaut, um die die Stadt Lorient entsteht. 40 Jahre lang werden durch Port-Louis und Lorient Gewürze befördert, aber auch Tee, Stoffe, Seide und Porzellanfiguren, durch die die Compagnie des Indes ihren Reichtum erlangt. Kriege wie etwa gegen Holland, Spanien oder England schwächen den Seehandel … Bankrott gelangt die Compagnie des Indes Anfang der 1700er-Jahre in die Hände der „Messieurs de Saint-Malo“ wie die Reeder und Korsaren der besagten Stadt genannt wurden. Diese „Gewürzjäger“ ließen große Anwesen errichten, die „Malouinières“. Manche dieser geschichtsträchtigen Landsitze können heute besichtigt werden …

Das Museum der Compagnie des Indes

Die Zitadelle von Port-Louis beherbergt heute das Musée de la Compagnie des Indes. Von Lorient nach Pondicherry erzählt es von den Abenteuern der Schiffe, die im 17. und 18. Jahrhundert auf der Suche nach den Schätzen Asiens die Weltmeere durchpflügten. Schiffsmodelle, alte Karten, Porzellanfiguren aus China, Baumwolle aus Indien und vieles mehr gehören zu seinen sehr umfangreichen Sammlungen. Das Museum kann frei oder in Begleitung eines ausgebildeten Gästeführers besichtigt werden.

Musée de la Compagnie des Indes

Abonnieren, inspirieren, losfahren:
Melden Sie sich hier für Ihren Bretagne-Newsletter an.

Für Insider Tipps, Neuigkeiten und Reiseideen für die Bretagne 4x pro Jahr für jede Jahreszeit geht’s hier entlang.

Wo und wie werden die Roellinger-Gewürze kreiert?

Ein „Cajun-Pulver“ zu Ehren der Akadier, die die Küche der Louisiana neu erfanden, und ein „bretonisches Gomasio“, eine Mischung aus Buchweizen aus der Bretagne, ägyptischem Sesam, Schwarzkümmel, Koriander aus Indien u. a. sind zwei seiner berühmtesten Kreationen. Die Inspiration von Olivier Roellinger, unbestrittener Meister der Gewürzkunst, kennt keine Grenzen. Der in der Bucht von Cancale geborene berühmte bretonische Chefkoch richtete sein Labor in der heimischen Malouinière, dem „Haus des Reisenden“, ein, wo er mit seiner Tochter Mathilde seine berühmten Pulver erfindet. Die meisten Gewürze, die vor Ort geröstet und gemahlen werden, stammen aus biologischer Landwirtschaft oder gerechtem Handel. Olivier Roellinger sammelt höchstpersönlich in den Produktionsländern Blätter, Blüten, Rinden oder seltene Zwiebeln, die seine Mischungen bereichern. Mit nahezu hundert Kompositionen ist das Roellinger-Gewürzsortiment durchaus beeindruckend.

Wo in der Bretagne kann man Gewürze kaufen?

In den Lagerverkaufsstätten von Epices Roellinger

Cancale, Saint-Malo, Paris

Möbel aus Teakholz und Palisander, Gläser mit Vanilleschoten, ein Maschrabiyya-Schrank … Alleine schon die Einrichtung dieser Lagerverkaufsstätten beschwört die Gedankenwelt Reisender herauf, nimmt die Besucher mit in exotische Gefilde und auf legendäre Seewege wie den nach Indien. Der Duft nach unbearbeiteten Gewürzen, Pfeffer und Gewürzmischungen dringt aus hübschen Flakons, die sorgsam aufgereiht sind. Safran, Kardamom, Zimt, Sumach, Neptunpulver, Korsarencurry … Ferne Horizonte zeichnen sich ab, aber auch Genussinspirationen vonseiten der versierten Mannschaften, die Sie an Bord empfangen und allerlei weise Ratschläge parat haben. Sollten Sie diese erlesenen Räume nicht besuchen können, dann statten Sie dem Online-Verkauf einen Besuch ab, in dem die Produkte der Familie Roellinger ebenfalls erhältlich sind (www.epices-roellinger.com).

Epices Roellinger

Eine „Laderampe für Gewürze“ aus aller Welt

Paimpol, Vannes et bientôt Rennes

Ein Schoner dient ihr als Logo, in Anspielung an die Vergangenheit Paimpols als Ort des Seehandels. Die 2015 in dieser Stadt in den Côtes d’Armor gegründete „Cale aux épices“ entstand durch die weiten Reisen des Seefahrers Christophe Lemaire. Der Globetrotter, der seine geliebten Gewürze eigenhändig zerkleinert, gibt hier Einblicke in seine Entdeckungen und Eigenkreationen. Nach Paimpol wurden auch in Vannes und Rennes Verkaufsstellen angesiedelt. In seinen Läden mit Retro-Einrichtung im Stil der Verkaufstische historischer Apotheken hat Christophe Lemaire 55 Gewürze, rund fünfzehn selbst zusammengestellte Currysorten, gut dreißig Mischungen für Marinaden sowie um die 85 Arten von Pfefferkörnern und -beeren im Angebot. Diese Produkte wählt er weiterhin selbst bei seinen Reisen in aller Herren Länder, von denen er jedes Mal neue Rezepte mit nach Hause bringt.

La Cale aux épices

Was ist „Kari gosse“?

Dieses Rezept wird seit dem 19. Jahrhundert geheim gehalten. Monsieur Gosse, Inhaber einer Apotheke in Auray (Morbihan) soll es von einem indischen Schiffbrüchigen überliefert bekommen haben, den er bei sich beherbergte. Sein Nachfahre Xavier Pouëzat produziert es weiterhin mit einer gewissen Vertraulichkeit. Das Kari Gosse ist ein rein bretonisches Cari-Pulver, das sich durch seinen ausgeprägten Duft nach Gewürznelken und seinen schönen Ockerton auszeichnet. Ingwer, Kurkuma, Piment, Zimt und Pfeffer sind ebenfalls Teil seiner Komposition. Die Mischung passt hervorragend zu Hummer und jedem anderen Krustentier.

Wird in manchen bretonischen Apotheken zum Verkauf angeboten

Kann man in der Bretagne Safran finden?

Er ist das teuerste Gewürz der Welt, denn es braucht an die 150.000 Blüten für 1 Kilo! Jeder kennt dieses Gewürz, aber wer hätte gedacht, dass es in der Bretagne angebaut wird? Seit ein paar Jahren setzen zahlreiche Erzeuger auf die Produktion dieses seltenen, begehrten Lebensmittels. Die sehr heikle Ernte der Blütennarben des Krokus erfolgt Anfang Herbst. Die bretonischen Produzenten:

Didier Corlou

Eine „Gewürznase“

Didier Corlou, Chefkoch aus dem Morbihan, bringt für die Zusammenstellung seiner eigenen Mischungen sowohl seine Nase als auch alle anderen Sinne zum Einsatz. Vor 25 Jahren wanderte er aus nach Vietnam, wo er 5 renommierte Restaurants führt und ein optimales Terrain gefunden hat, um neue, ausdrucksstarke Aromen zu kreieren. Als anerkannter Globetrotter unternimmt Didier Corlou unablässig Streifzüge durch die Berge und über die Hochplateaus des Vietnam, um die besten Produkte aufzuspüren: Cassiazimt, Sternanis, schwarzen Kardamom, Kurkuma, wilden Gipfelpfeffer … Auch Halong-Curry,  Hanoï Tanger oder Siam gehören zu seinem „Épices Corlou“-Sortiment. Der bretonische Chefkoch vertreibt die Gewürze seiner Marke in Frankreich.

Epices Corlou

Das könnte Ihnen auch gefallen