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Immer am Meer entlang ‑ Rundreise von der Pointe Saint‑Mathieu nach Rennes in 6 Tagen von Angelika Schwaff, Nina Hüpen-Bestendonk und Steven Hille
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Immer am Meer entlang ‑ Rundreise von der Pointe Saint‑Mathieu nach Rennes in 6 Tagen

6 Tage sind die drei Reiseblogger*innen Angelika Schwaff, Nina Hüpen-Bestendonk und Steven Hille von der Westküste der Bretagne über die Südküste bis in die Hauptstadt Rennes im Osten der Region gereist. Hier erzählen sie selbst von Leuchttürmen bei Nacht, winzigen Inseln und idyllischen Städtchen:

Auf einen Blick

Unsere Reise führt uns vom Ende der Welt aus dem Département Finistère zunächst immer am Meer entlang. Wir erkunden einen Leuchtturm nach dem anderen, machen Tagesbesuche auf den Glénan-Inseln und auf der Belle-Île. Dort gehen wir vorzüglich speisen, schlemmen regelrecht durch die Bretagne, erkunden aber auch die Natur der Region. Beim Strandfischen lernen wir einiges über das Meer, ehe wir ins Landesinnere aufbrechen. Über einen Besuch von Hinkelsteinen gelangen wir nach Rennes. Diese Rundreise kombiniert alles, was die Bretagne ausmacht: Wilde Küsten, Aktivitäten im und am Meer und eine hervorragende Küche.

Von Leuchtturm zu Leuchtturm

Unsere Reise startet am nordöstlichen Zipfel der Bretagne. Am Leuchtturm der Pointe Saint-Mathieu genießen wir einen spektakulären Sonnenuntergang und unseren ersten Chouchen der Reise im Restaurant des Hôtel Le Vent d’Iroise. Am nächsten Morgen steht Großes an: Wir dürfen beim ehemaligen Vize-Europameister Thomas Joncour surfen lernen. Seine Surfschule 29 Hood liegt an der Pointe de la Torche – DEM Surfspot der Bretagne – und ist eine bunte Oase für Wassersportfans. Nach kurzen Trockenübungen geht es ins Wasser und dank unserem Lehrer dauert es keine 20 Minuten ehe wir auf den Brettern stehen. Was für ein tolles Gefühl!

Ausklingen lassen wir den Tag hoch oben auf einem der legendärsten Leuchttürme der Bretagne. An der Landspitze von Cornouaille besteigen wir die Stufen von Eckmühl, der einst von einer spendenfreudigen Marquise nach ihrem Vater benannt wurde. Von hier oben haben wir eine spektakuläre Aussicht über die Bucht von Audierne im Licht der untergehenden Sonne. Am Horizont erkennt man die blitzenden Signale der Glénan-Inseln, unserem nächsten Ziel auf diesem Roadtrip.

  • 2 Stunden Surfen mit Thomas und den anderen Surflehrern der Surfschule 29 Hood kosten 40 € pro Person.
  • Der Aufstieg mit Führung in Eckmühl kostet 7 € pro Person und findet im Juli und August immer dienstags statt.

Tagesausflug auf die Glénan-Inseln

Fünfmal pro Woche legt zwischen April und September am Hafen von Bénodet eine kleine Fähre in Richtung Glénan Archipel ab. Gut 20 Kilometer fahren wir in südlicher Richtung aufs Meer hinaus. Der schwache Wind trägt unmerklich Salz in unser Haar. Wir fühlen uns so entspannt wie schon lange nicht mehr.

Wie viele Glénan-Inseln es hier draußen im Golf von Biskaya tatsächlich gibt, weiß niemand genau. Die Glénan-Inseln unterliegen den Gezeiten wie kaum eine andere Inselgruppe und wandeln mit jedem Wechsel von Flut zu Ebbe ihr Erscheinungsbild.

Es erwischt uns ein Hauch von Karibik-Feeling bei der Ankunft auf der Île Saint-Nicolas. Weiße Strände, glasklares Wasser – Idylle pur. Ein perfekter Ort, für einen Spaziergang. Zwei Restaurants, eine Segel- und eine Tauchschule, wenige Häuser. Mehr gibt’s nicht auf der Insel. Vielleicht ist das Naturschutzgebiet der Insel genau deshalb so idyllisch für Tagesausflüge.

Während des Spaziergangs erklärt Lulu uns das besondere Ökosystem der Inselwelt. Mit einem Pflanzenführer ausgestattet, stellt sie uns die Glénan-Narzisse vor. Sie gibt es nur auf der Île Saint-Nicolas und nirgends sonst auf der Welt. Irgendwann legen wir uns in den Sand und sehen dem Wellenspiel zu. Wir vergessen alles um uns herum – nur nicht die Abfahrt mit der Fähre am Abend. Schade eigentlich.

  • Fähren fahren zur Île Saint-Nicolas zwischen April und September ab Bénodet, Concarneau, Loctudy und Fouesnant. Die genauen Abfahrtszeiten erfahren Sie vor Ort bzw. online auf der Webseite der Fährgesellschaft Vedettes de l’Odet. Die Überfahrt dauert ca. 1 Stunde.
  • Die Glénan-Narzisse ist weltweit nur auf Île Saint-Nicolas heimisch.
  • Die Inseln sind Naturschutzgebiet. Bitte gehen Sie bei Ihrem Aufenthalt hier sorgsam mit ihnen um.

Keine Insel ist so schön wie diese – Belle-Ile-en-mer

Belle-Île-en-Mer, die kleine charmante Insel im Süden der Bretagne, macht ihrem Namen alle Ehre. Wir staunen über smaragdgrüne Buchten, dramatische Felsen, über die Wellen tuckernde Fischerboote und den ländlichen und kulinarischen Charme der Bretagne: Schöner kann kein Inselleben sein.

Es wird wohl für uns alle Liebe auf den ersten Blick. Bei unserem Besuch bringt uns eine Tour auf zwei Rädern über sanfte Hügel, vorbei an pittoresken kleinen Häfen und hübschen bunten Dörfern – und zu einem unvergesslich guten Picknick am Strand. Mein Herz schlägt an jeder neuen Kurve höher. Wir machen auf ein Schlückchen Rast in der Insel-Brauerei, die hervorragendes bretonisches Craft-Bier herstellt, unternehmen Wanderungen zu Buchten mit atemberaubenden Wellenbrechern, und einmal entwische ich unserer Gruppe und gehe bei Frühlingsfrische im Meer tauchen, obwohl es an Land so bezaubernd ist. Kein Wunder also, dass Kreative wie Henri Matisse, Claude Monet, Sarah Bernhardt oder Marcel Proust hier Inspiration fanden und ihre Zeit verbrachten. Auch ich würde hier gern einfach noch ein paar Jahre bleiben.

  • In Quiberon nimmt man die Fähre, um Belle-Île-en-Mer in etwa einer Stunde zu erreichen. Wenige Schritte vom Anleger in Le Palais entfernt kann man Fahrräder, Roller und sogar Oldtimer wie eine alte Ente (CV2) mieten, um die 89 Quadratkilometer große Insel zu erkunden.
  • Wie auf jeder Trauminsel kann man auch auf Belle-Île-en-Mer tauchen gehen. Ich habe mich mitten im frischen Frühling mit der erfahrenen Tauchschule Angélus Plongée unter Wasser begeben – und habe einem großen Tintenfisch beim Essen und kleinen Haien beim Fortpflanzen zugesehen. All das mitten im April in der Bretagne. Hinweis: für einen Tauchgang benötigt man neben einem entsprechenden Tauchschein auch ein medizinisches Tauchattest zur Tauglichkeit.

Pêche à pied: Strandfischen auf der Ile Thinic

Vor der Île Thinic, beginnt die wilde Küste von Quiberon – ein Abschnitt voller mächtiger Meeresströmungen, mit gewaltigem Seegang und wunderbaren Felsformationen. Die Ebbe hat den Weg zur Insel Thinic fast vollständig freigelegt. Überall knackt, ploppt und quietscht es. Der Meeresboden lebt und wir stehen direkt auf ihm.

Aber wir sind nicht alleine. Neben uns steht Mélanie. Sie ist Meeresbiologin und heute mit einer Schulklasse im Watt unterwegs. „pêche à pied“, wie das Strandfischen auf Französisch heißt, ist in der Bretagne enorm beliebt. Mit kleinen Eimern, Schaufeln und Gummistiefeln ausgestattet, zieht es viele Franzosen ins Watt. Hier herrscht das Jedermannsrecht. Jeder darf Strandangeln gehen und unter den aktuellen Auflagen für den eigenen Bedarf Austern, Miesmuscheln, Herzmuschel, Jakobsmuscheln und viele weitere Meeresfrüchte sammeln. Doch heute sammeln wir nicht für den Eigenbedarf. Wir sammeln, um zu lernen.

Unsere Eimer sind schnell mit Algen, Krabben und Muscheln gefüllt. Dann beginnt Mélanie zu erklären. Ich probiere eine Pfefferalge, sie erklärt die Nahrungskette im Ozean und macht uns auf aktuelle Bedrohungen aufmerksam. So macht Unterricht Spaß. Und das Reisen auch.

  • „Pêche à pied“ bezeichnet in Frankreich das Strandfischen mit Eimer und Schaufel auf der Suche nach Muscheln und Co.
  • Auch wenn jeder Strandfischen gehen darf, muss die aktuelle Gesetzeslage beachtet werden. Infos gibt es auf pecheapied-responsable.fr und legifrance.gouv.fr

Von unzähligen Inseln und Hinkelsteinen

Unsere letzte Station an der bretonischen Küste ist der Golf von Morbihan. Die riesige Bucht mit winziger Meerenge umfasst 42 Inseln und ist besonders bekannt für die vielen Zeitzeugen aus der Steinzeit. In Carnac bestaunen wir das wohl größte Hinkelsteinfeld mit über 3000 Menhiren. Um diese Region der Bretagne drehen sich unzählige Sagen und Geschichten und natürlich begegnet man hier überall den berühmten Comics von Asterix und Obelix. Auch bei unserer Kajaktour im Golf von Morbihan selbst entdecken wir einige Inseln mit Hügelgräbern und Steinkreisen, die an manchen Stellen sogar nur bei Ebbe aus dem Wasser ragen.

Gegen Abend verlassen wir den Golf ins Landesinnere. In den märchenhaften Ort Josselin mit seinen schmalen Gassen, bunten Fachwerkhäusern, Geranien und Gargoyles verlieben wir uns auf Anhieb. Das Sahnehäubchen auf diesem bretonischen Kuchen ist das Le 14 St. Michel, ein zauberhaftes Chambre d’Hôte, bei dem jedes Zimmer in einem anderen Stil eingerichtet wurde.

Kurztrip nach Rennes

Die Hauptstadt der Bretagne sieht mit ihrem großstädtischen Flair zwar sehr edel und urban und damit wenig bretonisch aus, vereint aber sämtliche Schätze der Bretagne auf spezieller Art und Weise: über das Essen!

Hohe elegante Häuser der Jahrhundertwende säumen die mit Kopfstein gepflasterten Straßen der Altstadt, junge Menschen schwirren umher. Rennes ist eine Studentenstadt, etliche coole Bars und Restaurants finden sich im Zentrum, das man leicht zu Fuß erkunden kann. Am Samstag trifft man sich an einem besonderen Ort. Dem Marché des Lices, dem zweitgrößten Markt Frankreichs, der Gourmets aus aller Welt anzieht. Der Himmel auf Erden für meine Mitreisenden und mich. Wir kaufen ordentlich ein: Austern aus Cancale, Unmengen an Käse, ein paar Früchte und Gemüse von den Feldern an der Küste, ein deftiges Brot, ein paar herrliche Würste aus der Region. In den umliegenden Cafés kann man alles direkt verspeisen. Dazu bestellen wir lediglich Getränke nebst einem Brett und einem Messer. So macht das hier jeder – fertig ist das beste Picknick mitten in der Stadt. Auf der Zunge die Delikatessen der Bretagne, den Markt im Blick, mit guten Freunden rechts und links, besser kann keine Reise in die Bretagne enden.

  • Eine Spezialität von Rennes, für die man gerne mal zehn Minuten auf dem Markt ansteht, ist „Galette-Saucisse“, eine gegrillte Wurst umhüllt von einer Buchweizengalette. Eine tolle deftige Delikatesse.
  • Apropos Galette: Rennes ist die Hauptstadt der Galettes, nirgends auf der Welt kann man die französischen Buchweizenpfannkuchen so edel und hochklassig essen wie hier. Mein Tipp: Einkehr in die schicke und durchgestylte Crêperie La Saint-Georges – um dort erst die herzhaften Galette, dann als Nachtisch die süße Galette zu essen!

Gefällt uns

  • Die Belle-Île-en-Mer macht ihrem Namen alle Ehre. Wir waren uns einig: Auf dieser Insel könnten wir alle für immer wohnen. Sie sollte bei jeder Bretagne-Reise auf dem Programm stehen. Allerdings am besten in der Nebensaison, denn im Sommer wird es dort ziemlich voll.
  • Ein echter Geheimtipp hingegen ist der Ort Josselin. Kleine, schmale Gassen, bunte Fachwerkhäuser und eine Lage direkt am Fluss machen ihn zu einem märchenhaften Ort. Übernachte am besten von Freitag zu Samstag dort, dann kannst du früh auf den Markt gehen und beim Frühstück viel regionales schlemmen.

Tipps für Ihre Übernachtungen

5 Hotels, die perfekt sind für diese Reiseroute

Für die Zeit an der Pointe Saint-Mathieu empfehlen wir die Hostellerie de la Pointe Saint-Mathieu**** oder das Hôtel Vent d’Iroise*** direkt neben dem Leuchtturm Saint-Mathieu.

Gegenüber des kleinen Hafenortes Bénodet, wo die Fähren zu den Glénan-Inseln abfahren, liegt das Hôtel du Bac*** in Sainte-Marine. Die 11 Zimmer mit Meerblick sind alle maritim blau-weiß dekoriert. Das Restaurant Bistro du Bac mit Terrasse ist der perfekte Ort, um den Tag ausklingen zu lassen.

Das Hôtel Le Grand Large*** liegt direkt an den Felsnadeln von Goulphar, dem Lieblingsmotiv Claude Monets auf Belle-Ile.

Liebevoll eingerichtet, urig und modern gleichermaßen und mit viel Sinn fürs Detail, ist das Chambre d’Hôte Le 14 Saint-Michel im Herzen von Josselin gleich neben dem Marktplatz.

Versteckt in einem Wohnviertel liegt das Magic Hall*** ruhig und beschaulich und doch mitten in Rennes nur wenige Schritte vom samstäglichen Markt und der Altstadt entfernt.

Angelika Schwaffs Blog Reisefreunde

Angelika ist für ihren Blog Reisefreunde schon mehrfach alleine um die Welt gereist. Am liebsten bringt sie herzerwärmende Geschichten von Begegnungen mit spannenden Menschen mit und schreibt darüber auf ihrem Blog. Für Angelika ist das Erkunden der regionalen Küche mindestens so wichtig wie eine hübsche Landschaft, darum gibt es auf ihrem Blog auch einen großen Fokus auf kulinarische Themen.  Wenn sie nicht gerade unterwegs ist, kocht und lebt sie in Berlin. Mehr von Angelika gibt es auch auf  ihren Foodblog Bon Appetrip sowie auf Instagram unter Reisefreunde und Bon Appetrip.

 

Nina Hüpen-Bestendonks Blog Smaracuja

Nina Hüpen-Bestendonk hält es ganz frei nach Janosch: Das Glück liegt in der Ferne und die Ferne ist immer dort, wo man gerade nicht ist. Die Grafikdesignerin und Flummiweltmeisterin erzählt auf ihrem Blog Smaracuja in illustrativen Geschichten von der Sehnsucht nach dem Reisen, davon, was Heimat eigentlich bedeutet und von den vielen großen und kleinen Abenteuern dazwischen. Mehr über ihren Road Trip durch die Bretagne findet man in ihrem Story Highlight auf Instagram.

Steven Hilles Blog Funkloch

Steven liebt die Natur, verrückte Ideen, Uganda und den Fahrtwind auf seinem Rennrad. Und er liebt es immer wieder seine Grenzen auszutesten. Dafür läuft er den einen oder anderen Marathon oder besteigt den Mount Fuji in Japan. Irgendwann dachte er sich, dass ich nur noch Projekte realisieren sollte, die einen guten Nutzen haben. Aus dieser Idee wurde sein Blog Funkloch geboren. Inzwischen sammelte er Spenden für ein Tigerbaby, unterstützte ein nationales Bienenprojekt, baute einen Brunnen in Uganda und gründete mit Freunden die NGO WeWater. Mehr von Steven gibt es auf Instagram und die Highlights der Bretagne in seiner Instagram Story.

Offizielle Website des Tourismusverbands der Bretagne
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