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Roadtrip um die Küste der Bretagne in 10 Tagen – Vom Rance‑Tal bis nach Guérandevon Steven Hille
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Roadtrip um die Küste der Bretagne in 10 Tagen – Vom Rance‑Tal bis nach Guérande

Vorschlag für
10 Tage

Mehr als 2.700 Kilometer misst die Küstenlinie der Bretagne. Auf ihrem Weg rund um die westlichste Region Frankreichs nimmt sie jede Bucht, jeden Strand und jeden Hafen mit. Einmal die komplette Küste entlang reisen, war schon immer der große Traum von Reiseblogger Steven Hille. Da er kein halbes Jahr Zeit für eine Wanderung auf dem GR34 – dem Küstenwanderweg – hat, nimmt er einen Mietwagen und fährt die versteckten Perlen der Küste an. Immer auf der Suche nach den besten Naturhighlights.

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Auf einen Blick

Diese Reise führt von Dinard an der Rance nach Guérande – von Nordost nach Südost, die gesamte Küste entlang. Unterwegs jagt ein Naturhighlight das nächste. Mit dem Fahrrad geht es durch Küstendörfer und tiefe Wälder, auf dem Kajak über Flüsse und zu Fuß auf einem beeindruckenden Wanderweg Europas entlang. Zwischendurch geht es mal unter das Wasser beim Tauchen oder mit der Kraft des Windes beim Windsurfen über das Meer. Diese Reise verspricht viele Aktivitäten, kleine Abenteuer und ist genau das Richtige für junge Aktivreisende.

Vom ältesten Seebad der Bretagne in das Rance-Tal

Der erste Tag der Reise ist der Anreisetag. Über Paris kommt man ideal mit dem TGV in die Bretagne. Zum Beispiel bis nach Rennes. Dort nehme ich mir einen Mietwagen und fahre nach Norden. Erster Stopp: Saint-Malo. Außerhalb der Hauptsaison lohnt ein Besuch der alten Festungsanlage und des historischen Stadtkerns.

Doch heute zieht es mich zunächst nach Dinard. Mit der Fähre oder über eine Brücke kann man den Fluss Rance überqueren. Dinard ist das älteste Seebad der Bretagne mit traumhaftem Open Air-Schwimmbecken. Bis heute wird Dinard als das Nizza des Nordens bezeichnet. Der Clou: Die Flut sorgt auf ganz natürliche Art und Weise für die Befüllung der steinernen Pools. Hat die Ebbe das Meer hunderte Meter weit rausgetragen, bleiben immerhin die Schwimmbecken für etwas Abkühlung.

Nach dem Baden fahre ich weiter die Rance entlang und entdecke am Plage du Vallion einen Foodtruck. Dort werden bretonische Bio-Produkte wie Algen und Buchweizen in schmackhaften Kombinationen serviert. Ich nehme einen Teller mit Algenpaste, Humus und Buchweizen-Crackern, dazu einen Cidre. Währenddessen geht die Sonne hinter der Rance unter. Yec’hed mad! Ein idealer Auftakt dieser Reise.

Mit Fahrrad und Kajak auf und neben der Rance

Am nächsten Morgen treffe ich Fabien und seine Freundin. Fabien hat mit Abicyclette Voyages einen Fahrradverleih gegründet, der auch mehrtägige Radreisen organisiert. Gemeinsam radeln wir am Kai von Saint-Malo entlang. Die Wolken hängen tief, die See ist rau. Meerwasser und Gischt spült es über die Kaimauer auf die Promenade. Doch während wir die Festungsanlage besuchen, lichtet sich das Wetter. Die Wolken verschwinden und innerhalb von Minuten scheint die Sonne.

Wir fahren ein Teilstück des Küstenradwegs Vélomaritime, der in der Bretagne auf insgesamt 430 Kilometern von der Bucht des Mont-Saint-Michel über die Bucht von Saint-Brieuc und die Rosa Granitküste und bis ganz in ihren westlichsten Zipfel nach Roscoff führt.

Wunderschön ist der Streckenverlauf entlang der Mündung des Flusses Rance. Dort führen wir die Radtour in Richtung Richtung Plouër-sur-Rance fort.

Am Nachmittag bin ich dort mit Flore von Chill in Rance in einem Kajak auf der Rance unterwegs. So haben wir die Möglichkeit uns die Gezeitenmühlen aus der Nähe anzuschauen. Heute sind nur noch wenige im Betrieb. Aber auf dem Wasser merken wir schnell, dass wir uns die Kraft der Gezeiten anderweitig zu Nutze machen können. Dafür paddeln wir mit der Ebbe an Hafendörfchen, Gezeitenmühlen, Schlössern und einem kleinen Kloster vorbei und bei Flut geht’s dann wieder zurück – immer mit der Strömung. Sowas geht wohl nur auf bretonischen Flüssen.

Wanderung am Cap d’Erquy & Wingsurfen in Pléneuf-Val-André

Am nächsten Morgen fahre ich zur Bucht von Saint-Brieuc. Man vermutet, dass sich Albert Uderzo einst den Küstenort Erquy als Vorbild für Asterix‘ gallisches Dorf genommen hat. Vor Erquy wandere ich zunächst durch das Naturschutzgebiet am Cap d’Erquy. In ca. 70 Metern über dem Meeresspiegel hat man einen schönen Blick über die Küste. Hölzerne Treppenstufen führen runter zum Meer. An den Naturstränden kann man wunderbar baden.

Am Hafen erfahre ich, dass es hier die lokalen Fischer waren, die sich für Fangbeschränkungen im Sinne einer nachhaltigen Fischerei einsetzten. Inzwischen dürfen die Boote zum Fischen von Jakobsmuscheln nur 45 Minuten am Tag aufs Meer hinaus.

Nach einem Snack am Hafen fahre ich weiter nach Pléneuf-Val-André. Die Ebbe hat inzwischen einen riesigen Strand entstehen lassen. So hat jeder Besucher und jede Besucherin locker 500 Quadratmeter für sich alleine. Einige baden, andere sonnenbaden oder lassen Drachen steigen. Über dem Strand schrauben sich Paraglider in die Höhe, die an den Steilhängen starten und nach dem Flug am Strand landen.

Später finde ich mich inmitten einer kleinen Gruppe um Cyril von der O Rider School wieder. Wir stehen am Strand und bekommen mit Board und Wing das Wingfoil erklärt. Danach fahren wir raus aufs Wasser und machen unsere eigenen Versuche.

Mit dem E-Bike entlang der Küste in Binic & Tauchen vor Saint-Quay-Portrieux

Im Tourismusbüro von Binic-Etables-sur-Mer kann man sich preiswert ein E-Bike leihen. Damit lassen sich die kleinen Anstiege kinderleicht überwinden. Zunächst radle ich am Hafen von Binic entlang. Die Flut pumpt gerade die vielen Segelboote und Stege nach oben. Jedes Mal aufs Neue begeistert mich das ständige Wechselspiel von Ebbe und Flut in der Bretagne. An kaum einem anderen Ort ist der Tidenhub so groß wie in der französischen Region.

Weiter geht’s nach Saint-Quay-Portrieux, in den Nachbarort. Am Hafen esse ich Galettes – herzhafte Crêpes, eine absolute Spezialität in der Bretagne. Ganz klassisch werden die Galettes mit Meersalzbutter zubereitet. Gestärkt, aber nicht zu satt, wartet ein weiteres Abenteuer auf mich.

Denn mit Jean-Pierre gehe ich tauchen. Er hat eine Tauchschule in Saint-Quay-Portrieux und bietet sowohl Einsteigerinnen und Einsteigern als auch Profis Tauchgänge an. Mit seinem Zodiac fahren wir zu den Îles Saint-Quay und werfen den Anker. Danach geht es unter Wasser. Wir sehen Hummer, Jakobsmuscheln, Krebse und Brassen.

Ins Hinterland nach Huelgoat und in die Monts d’Arrée

Nach vier Tagen an der Küste wird es Zeit, das Hinterland zu erkunden. Ich mache zunächst einen kleinen Abstecher in den Zauberwald Huelgoat. Schon vor meiner Ankunft erfahre ich, dass ich mich auf ins Reich der Feen und Sagen gemacht habe. Tatsächlich hat der Wald wirklich etwas Magisches. Moosbewachsene Felsen, verzweigte Bäume, ein kleiner Bachlauf und eine unglaubliche Anzahl an Libellen und Insekten überraschen mich. An Idylle ist dieser Ort kaum zu überbieten.

Etwas weiter entdecke ich die „Roche Tremblante“, einen etwa 100 Tonnen schweren Granitblock, den man wohl bewegen kann. Denn die Natur hat den gigantischen Felsen so drapiert, dass er von Hand ins Wackeln gebracht werden kann. Nur wo? Ich suche und suche und finde nur mit der Hilfe anderer Reisenden den richtigen Druckpunkt. Wo dieser ist? Streng geheim!

Mit dem Erfolgserlebnis im Rücken geht die Reise durch das Hinterland weiter. Nächster Halt: Die Monts d’Arrée. Sie sind das höchste Gebirge der Bretagne und mit maximal 385 Metern tatsächlich etwas putzig. Dennoch genießt man von der höchsten Erhebung, dem Roc’h Ruz, einen wunderbaren Ausblick auf die Landschaft, die überwiegend aus Wiesen und Felsen besteht. Ein anderer schöner View Point ist die 1672 errichtete Kapelle Saint-Michel-de-Barsparts, die auf einem anderen Berggipfel steht.

Wanderung auf der Halbinsel Crozon

Wer vom Auto in die Wanderschuhe wechseln möchte, kann das überall entlang des Küstenwanderwegs GR34 tun, der über 2.000 km einmal rings um die Bretagne führt – immer am Meer entlang. Zum Wandern ist die Halbinsel Crozon vom Cap de la Chèvre bis Camaret-sur-Mer einfach perfekt. Dieser Streckenabschnitt hat eine Länge von ca. 30 Kilometern und gilt als eines der schönsten Teilstücke des GR34. Man kann die Strecke an einem Tag erwandern oder sich diesen Abschnitt mit einer Übernachtung an zwei Tagen vornehmen. Bei der zweitägigen Version hat man sicher zeitlich auch noch die Möglichkeit mit einem Kajak die vielen kleinen Grotten zu erkunden.

Beim Wandern und auf dem Wasser erwarten mich viele versteckte Buchten, der hellblaue Ozean, wilde Wiesen, Felder, steile Klippen und versteckte Sandstrände. Einige Sandstrände haben etwas Infrastruktur, sodass man dort Mittag essen oder sich Wassersport-Equipment leihen kann. Geführte Touren kann man am Kajakclub in Morgat buchen oder im Tourismusbüro der jeweiligen Orte.

E-Mountainbike-Tour durch das Hinterland des Golfs von Morbihan

Im Süden der Bretagne verbindet der Golf von Morbihan Outdoor-Aktivitäten auf dem Land und auf dem Meer mit viel Kulinarik. Der Golf ist für seine Austernzucht bekannt. Hier bekommt man tagesfrische Austern für kleines Geld. Etwas unbekannter ist das Hinterland: In Grand-Champ leihe ich mir ein E-MTB und erkunde damit die Wälder.

Durch den Elektroantrieb sind auch steile Hänge mit matschigem Untergrund gut zu bewältigen. Es geht über Bohlenstege und schmale Schotterwege, durch Pfützen und über erdigen Waldboden. In den steilen Kurven schießt die durch die Räder aufgewühlte Erde in den Wald. Ich fühle mich wie bei einem Motocross-Rennen – nur eben mit E-Antrieb. Am Ende der Aktivität sind meine Klamotten reif für die Waschmaschine und ich stecke grinsend drin.

Auf dem Rückweg zum Golf von Morbihan halte ich in Vannes. Unzählige Segelboote sind hier festgemacht. Ich kann mir gut vorstellen, welche Art Geschichten und Abenteuer hier abends in den Bars erzählt werden. Und genau dafür ist Vannes genial. Ein bisschen spazieren, Kunst und Kultur entdecken, Kaffee trinken und den Abend in einer der Bars mit einem von 800 Craft Beer-Sorten der Bretagne ausklingen lassen.

Besuch der Salinen in Guérande

Ein neuer Tag, ein neuer Ort. Am frühen Morgen fahre ich vom Golf von Morbihan weiter in Richtung Westen. In Guérande habe ich über das Tourismusbüro von Mesquer eine Tour mit Salzbauer Nicolas gebucht.

Nicolas ist Franzose, lebte einige Zeit in Heidelberg und kehrte dann mit seiner Frau in die Bretagne zurück. Das hat den Vorteil, dass er den kompletten Prozess der Salzproduktion in deutscher Sprache erklären kann. Nicolas erzählt mir, dass schon die Römer ihr Salz aus dem Meerwasser gewonnen haben. Sie haben dafür die lehmigen Flächen mit Meerwasser geflutet, das Wasser gesammelt und dann gebrannt. Was übrig blieb, war das Salz. Wenn man es ganz ganz allgemein hält, dann funktioniert das heute noch so. Nur das die Verdunstung des Wasseranteils das Sonnenlicht übernimmt. Hier wurde also im Laufe der Jahre ein nachhaltigerer Ansatz kultiviert. Das System der Salzbauern ist schätzungsweise 1000 Jahre alt.

In diversen Becken wird Schritt für Schritt der Salzgehalt des Wassers erhöht. Dieser steigt von ca. 34 bis 36 Gramm je Liter Salz auf etwa 360 bis 380 Gramm je Liter an. Ab diesem Punkt kristallisiert das Salz und Nicolas kann es als beliebtes Fleur de Sel von der Wasseroberfläche abschöpfen oder als Meersalz vom lehmigen Boden schaben.

Nach der Führung lasse ich mir die vom Meersalz verfeinerte Speisen im Restaurant La Cabane aux Huîtres mit Blick auf den Sonnenuntergang schmecken.

Radtour entlang des Küstenradwegs Vélocéan

Am nächsten Tag schwinge ich mich wieder aufs Rad. Ich leihe ich mir in Le Pouliguen ein E-Bike. Danach geht es die wilde Küste, die auch Côte Sauvage genannt wird, entlang. Zwischen Le Pouliguen und Le Croisic liegen zwar nur neun Kilometer, fährt man jedoch immer die Küste entlang, schaut mal hier und schaut mal dort, kann sich die Radtour schon auf das Vierfache aufblasen.

Dass es bei mir auch heute danach aussieht, merke ich bei einem Abstecher auf den Markt von Le Pouliguen. Frisches Brot, Kuchen, Käse, Austern und Fisch landen hier auf den Theken. Einheimische und Touristen kaufen hier gleichermaßen ein. Ich versorge mich mit Proviant für die Radtour. Danach geht es immer die Côte Sauvage entlang. Zwischen den kargen Felsen liegen teils arg versteckte Strände. An Romantik und Ruhe sind sie kaum zu übertreffen. So komme ich zu einem kleinen Bade-Stopp und muss feststellen, dass die Wassertemperatur im Süden der Bretagne viel angenehmer ist, als im Norden.

Naturmoor La Grande Brière

Um nach dieser Küstenreise mit viel Seeluft bei meiner Rückkehr nach Berlin keinen Kulturschock zu erleben, setze ich auf eine langsame Entwöhnung. Die letzte Station auf meiner Reise ist ein Halt im Naturmoor La Grande Brière. Bei einer Barkenfahrt lerne ich das ca. 40.000 Hektar große Moor aus nächster Nähe kennen. Tatsächlich ist es sogar das zweitgrößte Frankreichs.

Wir beobachten bei der kurzen Fahrt über das Wasser Seevögel, Nutrias, Libellen und Fische. Es verwundert mich, dass ich das Meer nicht mehr rauschen höre und ich bemerke, dass ich mit zunehmender Distanz zur Küste die Weite der Bretagne vermisse. Aber gut, die nächste Reise in die Bretagne ist für mich nur eine Frage der Zeit. Die große Frage ist dann nur, reise ich in der Vorsaison zwischen April und Juni oder lieber in der Nachsaison zwischen September und Oktober.

Übernachtungstipps

Kleine Boutique-Hotels & Chambres d’hôte

Entlang der Küsten der Bretagne und im Landesinneren gibt es viele kleine Hotels und charmante Gästezimmer, oftmals mit Table d’hôte zum Abendessen, die perfekt sind für ein oder mehrere Übernachtungen auf einem Roadtrip um und durch die Bretagne.

Übernachtungstipps finden Sie im PDF mit der Reiseroute zum Download sowie aber auch in der Rubrik Übernachten. Außerdem gibt es in der Bretagne eine Reihe außergewöhnlicher Unterkünfte mitten in der Natur, Baumhäuser mit Whirlpool, günstige Hotels mit Meerblick, charmante Adressen entlang des Küstenwanderwegs GR34 und vieles mehr.

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Steven Hilles Blog Funkloch

Steven liebt die Natur, verrückte Ideen, Uganda und den Fahrtwind auf seinem Rennrad. Irgendwann dachte er sich, dass ich nur noch Projekte realisieren sollte, die einen guten Nutzen haben. Aus dieser Idee wurde sein Blog Funkloch geboren, der über nachhaltiges Reisen berichtet. Inzwischen sammelte er Spenden für ein Tigerbaby, unterstützte ein nationales Bienenprojekt, baute einen Brunnen in Uganda und gründete mit Freunden die NGO WeWater. Mehr von Steven gibt es auf Instagram und die Highlights der Bretagne in seiner Instagram Story.

Offizielle Website des Tourismusverbands der Bretagne